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Text des Monats August

Bist du mutig oder feige,

traust du dich hinaus auf‘s Meer?

Oder hältst du fest am Ufer,

schaust den Schiffen hinterher.

 

Willst du all dem Toben trotzen,

willst du Wellen, Wucht und Gischt?

Oder mit dir selber hadern,

weil du dich im Fels verkriechst?

 

Mach dein Herz auf, fühle, lache.

Weine, wimm’re, wenn du willst.

Aber trau dich, spring und mache,

dass du selbst dich wieder fühlst.

 

Daniela Greschke (1969-2017)

AGUS Rundbrief 2020/1

Text des Monats Juli

Aufbruch

Plötzlich weiß ich,
dass es alte Tränen sind,
die nicht mehr mir gehören
und leg sie in den Wind.

Und plötzlich weiß ich,
dass ich längst frei bin,
dass das Leben jetzt ist
und nicht noch Jahre hin.
Ich kehre aus und lasse los,
öffne mein Herz
und träume groß.

Sonja Mahr

leise im Laut

Text des Monats Juni

Zerstoben sind die Wolkenmassen

Zerstoben sind die Wolkenmassen,
Die Morgensonn ins Fenster scheint:
Nun kann ich wieder mal nicht fassen,
Dass ich die Nacht hindurch geweint.

Dahin ist alles, was mich drückte,
Das Aug ist klar, der Sinn ist frei,
Und was nur je mein Herz entzückte,
Tanzt wieder, lachend, mir vorbei.

Es grüßt, es nickt; ich steh betroffen,
Geblendet schier von all dem Licht:
Das alte, liebe, böse Hoffen –
Die Seele lässt es einmal nicht.

Theodor Fontane (1819-1898)

Text des Monats Mai

Stummer Schatten III

Als ob ich selbst nur ein Schemen wäre
Redet der Schatten an mir vorbei
Die mühsamen Worte die ich entbehre
Scheinen mir sinnlos, nur Selbstquälerei

Dann nähert er sich, als würd er nicht sehn
Dass unsere Lichter schon vorgeeilt sind
Und ich und mein Schatten grad vor ihm stehn
Während die Heimreise endlich beginnt

Wir schreiten recht zügig die Straße voran
Zwei Schatten und später ein weiterer
Im höflichen Ton reden wir uns an
Und werden im Klang stetig heiterer

Dann lerne ich in mir ein Heute kennen
Als ob Gestern nie gewesen wär
Und als unsere Wege sich schließlich trennen
Sind wir längst keine Schatten mehr

Hanna Kim

Text des Monats April

Sterne

Zu wenig Zeit genommen
für die Betrachtung der Sterne.
Ich rede nicht von Teleskopen.
Ich spreche von einer Dachluke
in einer ganz gewöhnlichen
wolkenlosen Nacht.
Vom Heimweg zu später Stunde,
nur flüchtig aufschauend,
Den Schlüssel schon im Schloss.
Nicht was ich nicht weiß
reut mich.
Mich reut
der nachlässige Gebrauch
meiner Augen

Rainer Malkowski

Fertig!!

Juhu, wir konnten letzten Samstag den Ausbildungsabschluss der neuen Peerberater*innen feiern :). Nach all dem Theorie-Input und vielen Übungen geht’s jetzt tatsächlich ans Mails schreiben. Wir freuen uns sehr über die Verstärkung unseres [U25]-Teams!

Text des Monats März

How to Be an Artist

Lass Dich fallen.
Lerne Schnecken zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Fertige kleine Zeichen, die „ja“ sagen
und verteile sie überall in Deinem Haus.

Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue Dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen,
schaukle so hoch Du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.

Pflege verschiedene Stimmungen,
verweigere Dich, „verantwortlich zu sein“ – tu es aus Liebe!
Mache eine Menge Nickerchen.
Gib Geld weiter. Tu es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei, lache eine Menge.
Bade im Mondschein.

Träume wilde, phantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell Dir vor, Du könntest zaubern
Kichere mit Kindern. Höre alten Leuten zu.
Öffne Dich. Tauche ein. Sei frei. Schätze Dich selbst.

Lass die Angst fallen, spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in Dir. Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken. Werde nass. Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.

Susan Ariel Rainbow Kennedy (SARK) 

Text des Monats Februar

Jeden Tag

Jeden Tag laufe ich nach Hause,
nach der Arbeit ist das meine Pause.
Immer ist es ein bisschen dunkler
Die Welt ein Stückchen weniger bunter.
Alles sieht für mich immer gleich aus
bis ich bemerke: Ich will hier raus.

Montags denke ich, es sei gar nicht so schlimm,
dienstags bemerke ich, dass ich müde bin.
Mittwochs merke ich, ich kann nicht mehr,
donnerstags denke ich: Wochenende, komm her!
Freitags beginnt wieder die Einsamkeit,
ich kann mich nicht halten – es geht zu weit.
Der Abgrund wird immer deutlicher,
samstags und sonntags schaue ich genauer hinunter.

Jeden Tag laufe ich nach Hause,
nach der Arbeit ist das meine Pause.
Doch der Weg, er ändert sich,
ich sehe Lösungen, sie packen mich.

Montags laufe ich über die Brücke.
Was, wenn ich mich nicht mehr vorm Springen drücke?
Dienstags fährt um fünf der Zug,
ich könnte stehen bleiben – wäre das genug?
Mittwochs denke ich an meinen Badeschrank,
dort steht noch der Saft, den ich nie trank.
Donnerstags höre ich das Tosen vom Fluss,
es wirkt auf mich friedlich, fast wie ein Genuss.
Freitags übe ich Knoten mit dem Schal,
ich ertrag sie nicht weiter, die ganze Qual.

Samstag und Sonntag – ich bin so allein,
wer würde es merken, wenn ich nicht mehr wein’?
Es dreht und dreht sich alles im Kreise,
ich wünschte mein Kopf wär’ endlich mal leise.
Dann könnt ich schlafen, um mich auszuruhen
und müsste nie wieder irgendetwas tun.

Lilli
(entstanden während der Ehrenamtsausbildung)

Text des Monats Januar

Kennst du das auch

Kennst du das auch, daß manchesmal
Inmitten einer lauten Lust,
Bei einem Fest, in einem frohen Saal,
Du plötzlich schweigen und hinweggehn mußt?

Dann legst du dich aufs Lager ohne Schlaf
Wie Einer, den ein plötzlich Herzweh traf;
Lust und Gelächter ist verstiebt wie Rauch,
Du weinst, weinst ohne Halt – Kennst du das auch?

Hermann Hesse (1901)

Text des Monats Dezember

Wie ich dir begegnen möchte

Ich möchte Dich lieben, ohne Dich einzuengen
Dich wertschätzen, ohne Dich zu bewerten
Dich ernst nehmen, ohne Dich auf etwas festzulegen
zu Dir kommen, ohne mich Dir aufzudrängen
Dich einladen, ohne Forderungen an Dich zu stellen
Dir etwas schenken, ohne Erwartungen daran zu knüpfen
von Dir Abschied nehmen, ohne Wesentliches versäumt zu haben
Dir meine Gefühle mitteilen, ohne Dich für Sie verantwortlich zu machen
Dich informieren, ohne Dich zu belehren
Dir helfen, ohne Dich zu beleidigen
mich um Dich kümmern, ohne Dich verändern zu wollen
mich an Dir freuen, so wie Du bist.

Wenn ich von Dir das Gleiche bekommen kann,
dann können wir einander wirklich begegnen
und uns gegenseitig bereichern.

Virginia Satir