Immer mehr Jugendliche haben Probleme mit dem Essen. Diese stehen oft im Zusammenhang mit anderen Problemen der Pubertät, mit Krisen und dem eigenen Selbstbild. Deshalb sind Essstörungen im medizinischen Sinn seelische Krankheiten.
Hier soll ein kurzer Überblick mit den wichtigsten Informationen über die verschiedenen Formen von Essstörungen gegeben werden.

Was sind Essstörungen?

Ganz allgemein…
kann man sagen, dass es bei allen Formen von Essstörungen zu einer ständige Beschäftigung mit dem Essen kommt und kennzeichnend ist auch die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und dem Gewicht.
In vielen Fällen spielt die Familiengeschichte eine wichtige Rolle. Betroffene Frauen haben in ihrer Lebensgeschichte nicht selten eine sehr schlechte Erfahrung im Bereich der Sexualität gemacht.

Sehr charakteristisch für Menschen mit Essstörungen ist ein niedriges Selbstwertgefühl, welches durch die oft jahrelange Symptomatik oft noch weiter belastet wird. Jede/r Betroffene mit einer Essstörung hat jedoch einen ganz individuellen (Leidens-) Weg hinter sich bzw. noch vor sich, insofern werden Verallgemeinerungen und einfache Erklärungsmodelle der Realität nicht gerecht.

Problematisch ist das Feststellen einer Essstörung dadurch, dass die Betroffenen sehr geschickt darin sind, diese zu verheimlichen und oft nicht einsehen wollen, dass sie krank sind. Der Anfang einer Essstörung ist häufig eine Diät und besonders gefährdet sind Mädchen und junge Frauen, die um jeden Preis dem gängigen Schönheitsideal entsprechen wollen. Der Wunsch nach der Traumfigur und der Fitnessboom diktieren das Leben vieler Jugendlicher und auch junge Männer werden davon heute vermehrt in den Bann gezogen.

Es ist schwierig, eine Definition dafür zu finden, was “normales” Essverhalten ist und wann genau schon eine Essstörung vorliegt. Aber es gibt ganz charakteristische Verhaltensweisen, die Indiz dafür sein können.

Z.B. wenn man:

  • Mahlzeiten häufig überspringt
  • nur kleine und kleinste Portionen zu sich nimmt
  • nicht in der Gesellschaft anderer Leute essen will
  • aus dem Essen ein Ritual macht
  • gerne für die Familie oder Freunde kocht, aber sich dann mit einer Ausrede nicht am Essen beteiligt
  • sein Essen nach ganz bestimmten Gesichtspunkten wie geringer Fett- oder Kaloriengehalt aussucht
  • ausgiebig die Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen studiert und den Kaloriengehalt der meisten Lebensmittel auswendig kennt

Oder wenn man:

  • immer darauf achtet, genug Essen im Haus zu haben, und sich dann übergibt, wenn man zu viel davon gegessen hat
  • Abführmittel, Diät- und Entwässerungsmittel benutzt, um Gewicht zu verlieren
  • raucht oder übermäßig Sport treibt, um sich vom Hungergefühl abzulenken
  • viel Zeit damit verbringt, seine “Problemzonen” im Spiegel zu betrachten
  • glaubt, fett zu sein, obwohl andere dies ganz anders wahrnehmen
  • weite Kleidung trägt, um seine wahre Figur zu verbergen

Nicht jedes essgestörte Verhalten muss gleich als Krankheit eingestuft werden, kann aber der Beginn einer schwerwiegenden Essstörung sein. Vielleicht geht es dir nun so, dass du merkst, dass das Essen für dich zu einem Problem geworden ist. Dann ist es wichtig, dass du über Hintergründe und die Funktion der Essstörung nachdenkst und dich nicht davor scheust, mit anderen darüber zu sprechen. Das geht am besten mit Hilfe einer professionellen Beraterin oder Therapeutin, die dich unterstützen kann, deine Gedanken und Gefühle zu ordnen und andere, gesündere Lösungsstrategien zu entdecken.

Oder du hast eine gute Freundin, einen guten Freund, bei dem du eine Essstörung vermutest. Dann ist es hilfreich, wenn du weiterhin für ihn / sie da bist und deine Unterstützung anbietest. Wenn es vielleicht schwierig ist, mit ihm /ihr über das Essproblem zu sprechen, akzeptiere dies. Mach dir klar, dass der Teufelskreis der Essstörung ohne professionelle Hilfe kaum durchbrochen werden kann. Familie und Freunde können zwar unterstützend wichtig sein, können jedoch die Krankheit nicht allein heilen.

Es gibt in jeder grösseren Stadt Beratungsstellen und Therapeuten, die sich mit dieser Problematik auskennen. Bei gravierenden Essstörungen ist der Aufenthalt in einer Klinik meist unerlässlich. Dort gibt es spezielle Programme für Menschen mit Essstörungen und die nötige medizinische sowie die psychologische Betreuung sind gewährleistet.

 

Mehr Informationen und Hilfe zum Thema Essstörungen

  • Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat ein Internetportal über Essstörungen: www.bzga-essstoerungen.de.
  • Unter www.magersucht.de soll die Hilfe zur Selbsthilfe für Betroffene und Angehörige gefördert werden. Dazu werden Informationen rund um die Krankheit bereit gestellt und eine Austausch plattform für Betroffene geboten.
  • Gute Infos und einen Test zum Thema Essstörungen findet ihr unter: www.netzwerk-essstoerungen.ch.
  • Hier gibt es Infos, Adressen von Beratungsstellen und Literaturvorschläge: www.hungrig-online.de.
  • Auf der Seite von Medicine Worldwide werden die verschiedenen Formen von Essstörungen vorgestellt: www.m-ww.de.
  • Homepage einer ehemals Betroffenen mit vielfältigen Kontakt- und Informationsmöglichkeiten rund um das Thema Essstörung: www.lebenshungrig.de.
  • Forum mit viel Möglichkeit zum Austausch über das Thema Binge-Eating und Atypische Bulimie: www.sehnsuchtshunger.de.

Literatur:

„Was sind Ess- Störungen?“ von M. Gerlinghoff und H. Backmund