Aktuelles von [U25] Freiburg

Text des Monats – August

Ich habe immer geglaubt, dass Lebensqualität, Vergnügen und Weisheit ein Geburtsrecht seien und mir mit den Jahren automatisch geschenkt würden. Ich hätte nie gedacht, dass ich lernen müsste, wie man richtig lebt – dass es unterschiedliche Disziplinen und Wege gibt, die Welt zu sehen, bevor ich tatsächlich ein einfaches, glückliches und unkompliziertes Leben führen kann.

Dan Millman

Text des Monats Juli

Wunderbar
Wenn du keine Freunde mehr hast, weil dein Arsch in keine Hose passt
Wenn Sit-Ups und Liegestützen bei dir rein garnichts nützen
Wenn Waagen, Stühle und Matratzen einfach unter dir zerplatzen
Dann mach dich nicht verrückt:

Du bist nicht zu dick. Nein, die anderen sind zu dünn
Du bist nicht zu dick, sondern die anderen sind zu dünn
Als halbtote Skelette müssen sie durchs Leben gehn
Aber du bist nicht zu dick-
Du bist wunderschön!

Wenn selbst bei Fahrradkontrollen alle deinen Ausweis sehen wollen
Wenn du vom Bürgersteig springst und in einer Pfütze fast ertrinkst
Wenn dich beim Spazierengehn sogar Chihuahuas übersehn
Dann lass dir nichts erzählen:

Du bist nicht zu klein. Nein, die anderen sind zu groß
Du bist nicht zu klein, sondern die anderen sind zu groß
Sie sind verlorene Riesen, so einsam wie bizarr
Aber du bist nicht zu klein-
Du bist wunderbar!

Wenn dich jede Schnecke erschreckt
Weil sie sich so schrecklich schnell bewegt
Wenn du keine Blumen mehr pflückst
Weil sie eingehn, während du dich bückst
Bist du immer in Ekstase, weil die Jahreszeiten rasen
Sie werdens nie verstehn:

Du bist nicht zu langsam. Nein, die anderen sind zu schnell
Du bist nicht zu langsam, sondern die anderen sind zu schnell
Als menschliche Atome hetzen sie sinnlos umher
Aber du bist nicht zu langsam…

Songtext von Farin Urlaub

Text des Monats Januar

Lied zur Nacht

Nun geht der Tag zu Ende,
Schon schweigen die vier Wände,
Zum Schatten wird der Baum.
Lass in die Nacht uns münden
Und Herz zum Herzen finden.
Auf blassen Segeln schwimmt ein Traum.

Nun spür ich deine Nähe.
Dass dir kein Arg geschehe,
– So schlicht sei mein Gebet.
Die schwarzen Nachtgedanken,
Sie welkten schon, versanken,
Von deinen Händen fortgeweht.

Nun steigt auf Silberflügeln,
Aus roten Wolkenhügeln
Der späte Abendwind.
Lass drin uns Engel schauen
Mit gläubigem Vertrauen
Wie einst das demutsvolle Kind

Von Mascha Kaléko

Text des Monats November

Die Welt unser Traum

Nachts im Traum die Städt‘ und Leute,
Ungeheuer, Luftgebäude,
Alle, weißt du, alle steigen
Aus der Seele dunklem Raum,
Sind dein Bild und Werk, dein eigen,
Sind dein Traum.

Geh am Tag durch Stadt und Gassen,
Schau in Wolken, in Gesichter,
Und du wirst verwundert fassen:
Sie sind dein, du bist ihr Dichter!
Alles, was vor deinen Sinnen
Hundertfältig lebt und gaukelt,
Ist ja dein, ist in dir innen,
Traum, den deine Seele schaukelt.
Durch dich selber ewig schreitend,
Bald beschränkend dich, bald weitend,
Bist du Redner und Hörer,
Bist du Schöpfer und Zerstörer.
Zauberkräfte, längst vergeßne,
Spinnen heiligen Betrug,
Und die Welt, die unermeßne,
Lebt von deinem Atemzug.

Hermann Hesse

Text des Monats Oktober

Und wenn der Sandsturm vorüber ist, wirst du dich kaum erinnern, wie du ihn durchquert, ihn überlebt hast. Du wirst nicht einmal sicher sein, ob er wirklich vorüber ist. Nur eins ist sicher. Wenn du aus dem Sandsturm kommst, bist du nicht mehr derselbe Mensch, der in ihn hineingeraten ist. Darin liegt der Sinn dieses Sturms.

Haruki Murakami (Kafka am Strand)

Text des Monats September

Das Leben

Wir waren zwei hammerkrasse Typen
Zwei wie’s die nur einmal gab
Früher waren wir doch unsterblich
Heut’ stehst du mit einem Bein im Grab
Die Welt da draußen macht dich fertig
Und du sagst, du hast genug
Ey Amigo, guck nach vorn
Denk an unsern alten Spruch:

Nimm dir das Leben
Und lass es nicht mehr los
Denn alles was du hast
Ist dieses eine blos
Nimm dir das Leben
Und gib’s nie wieder her
Denn wenn man es mal braucht
Dann findet man’s so schwer

Wir sind doch keine Automaten
Wir sind ein Wunder – du und ich
Lass die andern weiterhetzen, weiterhetzen – wir nich’
Wir streunen locker durch die Gegend
Mal sehn wohin es uns so bringt
Und mit whiskeyrauer Stimme
Ey hör’ mal, was dein Freund dir singt:

Nimm dir das Leben
Und lass es nicht mehr los
Denn alles was du hast
Ist…

Udo Lindenberg

Text des Monats August

Bist du mutig oder feige,

traust du dich hinaus auf‘s Meer?

Oder hältst du fest am Ufer,

schaust den Schiffen hinterher.

 

Willst du all dem Toben trotzen,

willst du Wellen, Wucht und Gischt?

Oder mit dir selber hadern,

weil du dich im Fels verkriechst?

 

Mach dein Herz auf, fühle, lache.

Weine, wimm’re, wenn du willst.

Aber trau dich, spring und mache,

dass du selbst dich wieder fühlst.

 

Daniela Greschke (1969-2017)

AGUS Rundbrief 2020/1

Text des Monats Juli

Aufbruch

Plötzlich weiß ich,
dass es alte Tränen sind,
die nicht mehr mir gehören
und leg sie in den Wind.

Und plötzlich weiß ich,
dass ich längst frei bin,
dass das Leben jetzt ist
und nicht noch Jahre hin.
Ich kehre aus und lasse los,
öffne mein Herz
und träume groß.

Sonja Mahr

leise im Laut

Text des Monats Juni

Zerstoben sind die Wolkenmassen

Zerstoben sind die Wolkenmassen,
Die Morgensonn ins Fenster scheint:
Nun kann ich wieder mal nicht fassen,
Dass ich die Nacht hindurch geweint.

Dahin ist alles, was mich drückte,
Das Aug ist klar, der Sinn ist frei,
Und was nur je mein Herz entzückte,
Tanzt wieder, lachend, mir vorbei.

Es grüßt, es nickt; ich steh betroffen,
Geblendet schier von all dem Licht:
Das alte, liebe, böse Hoffen –
Die Seele lässt es einmal nicht.

Theodor Fontane (1819-1898)