Aktuelles von [U25] Freiburg

Text des Monats November

Die Welt unser Traum

Nachts im Traum die Städt‘ und Leute,
Ungeheuer, Luftgebäude,
Alle, weißt du, alle steigen
Aus der Seele dunklem Raum,
Sind dein Bild und Werk, dein eigen,
Sind dein Traum.

Geh am Tag durch Stadt und Gassen,
Schau in Wolken, in Gesichter,
Und du wirst verwundert fassen:
Sie sind dein, du bist ihr Dichter!
Alles, was vor deinen Sinnen
Hundertfältig lebt und gaukelt,
Ist ja dein, ist in dir innen,
Traum, den deine Seele schaukelt.
Durch dich selber ewig schreitend,
Bald beschränkend dich, bald weitend,
Bist du Redner und Hörer,
Bist du Schöpfer und Zerstörer.
Zauberkräfte, längst vergeßne,
Spinnen heiligen Betrug,
Und die Welt, die unermeßne,
Lebt von deinem Atemzug.

Hermann Hesse

Ausbildungsstart!

Letzten Samstag haben wir mit der Ausbildung von sieben neuen Peerberater*innen begonnen! Trotz Abstandsregeln hat es sich ganz nah angefühlt :-). In den nächsten Wochen und Monaten werden wir uns noch intensiver kennenlernen und natürlich ganz viel Wissen und Handwerkszeug rund um das Thema Mailberatung und suizidale Krisen vermitteln.

Hast du auch Interesse an der Ausbildung? Die nächste Möglichkeit zur Teilnahme gibt es im Herbst 2021.

Wir wollen Danke sagen!

Anlässlich des heutigen Welttages der Suizidprävention wollen wir von [U25] Freiburg nochmal ein ganz besonderes Dankeschön aussprechen, das unseren Peers gilt: Danke, liebe Peerberater*innen, dass ihr uns mit so viel Engagement und Herzblut unterstützt und unser Angebot dadurch möglich macht. Ihr seid wunderbar!

 

Kein Mensch kann den anderen von seinem Leid befreien; aber er kann ihm Mut machen, das Leid zu tragen.”

Selma Lagerlöf

Text des Monats September

Das Leben

Wir waren zwei hammerkrasse Typen
Zwei wie’s die nur einmal gab
Früher waren wir doch unsterblich
Heut’ stehst du mit einem Bein im Grab
Die Welt da draußen macht dich fertig
Und du sagst, du hast genug
Ey Amigo, guck nach vorn
Denk an unsern alten Spruch:

Nimm dir das Leben
Und lass es nicht mehr los
Denn alles was du hast
Ist dieses eine blos
Nimm dir das Leben
Und gib’s nie wieder her
Denn wenn man es mal braucht
Dann findet man’s so schwer

Wir sind doch keine Automaten
Wir sind ein Wunder – du und ich
Lass die andern weiterhetzen, weiterhetzen – wir nich’
Wir streunen locker durch die Gegend
Mal sehn wohin es uns so bringt
Und mit whiskeyrauer Stimme
Ey hör’ mal, was dein Freund dir singt:

Nimm dir das Leben
Und lass es nicht mehr los
Denn alles was du hast
Ist…

Udo Lindenberg

Text des Monats August

Bist du mutig oder feige,

traust du dich hinaus auf‘s Meer?

Oder hältst du fest am Ufer,

schaust den Schiffen hinterher.

 

Willst du all dem Toben trotzen,

willst du Wellen, Wucht und Gischt?

Oder mit dir selber hadern,

weil du dich im Fels verkriechst?

 

Mach dein Herz auf, fühle, lache.

Weine, wimm’re, wenn du willst.

Aber trau dich, spring und mache,

dass du selbst dich wieder fühlst.

 

Daniela Greschke (1969-2017)

AGUS Rundbrief 2020/1

Text des Monats Juli

Aufbruch

Plötzlich weiß ich,
dass es alte Tränen sind,
die nicht mehr mir gehören
und leg sie in den Wind.

Und plötzlich weiß ich,
dass ich längst frei bin,
dass das Leben jetzt ist
und nicht noch Jahre hin.
Ich kehre aus und lasse los,
öffne mein Herz
und träume groß.

Sonja Mahr

leise im Laut

Text des Monats Juni

Zerstoben sind die Wolkenmassen

Zerstoben sind die Wolkenmassen,
Die Morgensonn ins Fenster scheint:
Nun kann ich wieder mal nicht fassen,
Dass ich die Nacht hindurch geweint.

Dahin ist alles, was mich drückte,
Das Aug ist klar, der Sinn ist frei,
Und was nur je mein Herz entzückte,
Tanzt wieder, lachend, mir vorbei.

Es grüßt, es nickt; ich steh betroffen,
Geblendet schier von all dem Licht:
Das alte, liebe, böse Hoffen –
Die Seele lässt es einmal nicht.

Theodor Fontane (1819-1898)

Text des Monats Mai

Stummer Schatten III

Als ob ich selbst nur ein Schemen wäre
Redet der Schatten an mir vorbei
Die mühsamen Worte die ich entbehre
Scheinen mir sinnlos, nur Selbstquälerei

Dann nähert er sich, als würd er nicht sehn
Dass unsere Lichter schon vorgeeilt sind
Und ich und mein Schatten grad vor ihm stehn
Während die Heimreise endlich beginnt

Wir schreiten recht zügig die Straße voran
Zwei Schatten und später ein weiterer
Im höflichen Ton reden wir uns an
Und werden im Klang stetig heiterer

Dann lerne ich in mir ein Heute kennen
Als ob Gestern nie gewesen wär
Und als unsere Wege sich schließlich trennen
Sind wir längst keine Schatten mehr

Hanna Kim

Text des Monats April

Sterne

Zu wenig Zeit genommen
für die Betrachtung der Sterne.
Ich rede nicht von Teleskopen.
Ich spreche von einer Dachluke
in einer ganz gewöhnlichen
wolkenlosen Nacht.
Vom Heimweg zu später Stunde,
nur flüchtig aufschauend,
Den Schlüssel schon im Schloss.
Nicht was ich nicht weiß
reut mich.
Mich reut
der nachlässige Gebrauch
meiner Augen

Rainer Malkowski